Es gab da einen Einwand, in meinem Blog „Schulkampf – ´wie bestellt`?“ vom 14.07. hätte ich zu stark darauf abgehoben, der rot-grünen Koalition in NRW gehe es bei ihrer Schulreform unzweideutig um die Einheitsschule.
Ein solcher Einwand erstaunt mich in mehrfacher Hinsicht.
Zunächst literarisch: Sollte Homers Sage vom trojanischen Pferd denn gänzlich in Vergessenheit geraten sein?
Sollte z. B. Max Frischs „Biedermann und die Brandstifter“ von 1958 seinen Untertitel: „Ein Lehrstück ohne Lehre“ wirklich zu Recht tragen und zudem gar nicht mehr aufgeführt oder gelesen werden?
Die Schüler der Klassenstufe 9, mit denen ich in den siebziger Jahren am Görres-Gymnasium in Düsseldorf dieses Stück gelesen und an einem Elternabend auch aufgeführt hatte, werden sich sicherlich ihr Urteil gebildet haben über `Herrn Biedermann´, der letztlich untätig zusieht, wie sich zwei finstere Gestalten in seinem Haus einnisten und auf dem Dachboden Explosives und Zündschnüre ansammeln. (Biedermann: Ist wirklich Benzin in diesen Fässern? Eisenring: Sie trauen uns nicht? Biedermann: Ich frag ja nur.“)
Nun ja, schließlich war es Frisch selbst, der die kritische Frage stellte: «Was vermag Literatur überhaupt?»
Deshalb erstaunt mich der Einwand mehr noch in allgemein-politischer Hinsicht.
Ein Redakteur der RP befasst sich am 20.7. zunächst mit der Hamburger Schulreform und schreibt dann: „Anders in NRW: Längeres gemeinsames Lernen ist hier laut Koalitionsvertrag nur (wie bisher) in der Gesamtschule und in der neuen Gemeinschaftsschule vorgesehen.“
Das klingt als habe die Koalition nur im Sinn, den in NRW bestehenden Schulstrukturen nur eine kleine weitere hinzuzufügen. – Herzliche Grüße von `Herrn Biedermann´.
Ohne allen Hochmut erzähle ich dem genannten politischen Redakteur (altersmäßig in den frühen Dreißigern) hier gerne aus den Siebzigern des letzten Jahrhunderts.
Im Zuge der über die Jahrzehnte immer neuen Taktiken und Wege, die Einheitsschule einzuführen, hieß das Projekt damals „Schulentwicklungspläne“. Das Institut für Schulentwicklungsforschung in Dortmund unter Prof. Rolff hatte die schultheoretische Federführung des Planes, die Kommunen zu veranlassen, die Schulformen zusammenzufassen zu Stufenschulen. Das sei gerechter, ökonomischer, biete mehr Möglichkeiten der Differenzierung, alle Schulformen könnten prinzipiell darin enthalten bleiben, etc., etc. so wurde beworben.
Auch die Stadt Düsseldorf hatte einen solchen Plan von schulischen Stufen-Einheiten verfasst – sicher findet sich noch ein Exemplar zum Nachlesen in den Archiven des Schulverwaltungsamtes.
Da sollte – soweit ich mich erinnere - zum Beispiel im Gebäude des (dann nicht mehr existierenden) Görres-Gymnasiums eine reine Sekundarstufe I (für die Schüler der Region) untergebracht werden und zum Beispiel im Gebäude des (dann nicht mehr existierenden) Luisen-Gymnasiums eine reine Sekundarstufe II.
(Es mag auch umgekehrt gewesen sein; egal, wichtig ist das Prinzip, der Rest kann nachgelesen werden.)
Das war Schulpolitik und Schulreform unter dem Deckmantel städtischen ökonomisch-planerischen Handelns. Und man erkennt unschwer, dass bereits damals durch die Dezentralisierung, also die Verlagerung von letztlich schulreformerischen Entscheidungen auf die kommunale Ebene dem Ganzen der Anschein der flächendeckenden Wucht genommen wurde. Ebenso ist ein Prinzip erkennbar, das heute auch an Bedeutung gewinnt: Angesichts rückläufiger Schülerzahlen müssen Kommunen sich wirklich ernsthaft Gedanken machen, welche Arten von Schulen sie nebeneinander finanzieren wollen.
Ist es da nicht verlockend, eine Form von Schule zu wählen (in diesem Falle die „Gemeinschaftsschule“), bei der es heißt, auch der Realschulabschluss und das Abitur blieben darin prinzipiell erhalten?
Und wenn es für eine solche Schulform dann auch noch besondere Fördermittel gibt?
Auch bei der Koop-Schule (eigentlich „kooperative Gesamtschule“) am Ende der 70er Jahre ging es letztlich um eine Vorstufe der (integrierten) Gesamtschule, also um die Einheitsschule als Ziel.
Beide Projekte sind gescheitert, weil die Bürger sie mehrheitlich abgelehnt haben.
Nicht zuletzt deshalb weiß man in der Politik: Es ist tunlich, die Bürger nicht immer gleich mit den Zielen zu konfrontieren; über strategisch geschickt gewählte Zwischenschritte kommt man leichter zum Ziel.
Von Beust und die Hamburger Grünen haben dabei die Schritte zu groß gewählt, das hat sie ins Straucheln und schließlich den Kern der Hamburger Schulreform zum Scheitern gebracht.
Ich habe nicht die Fähigkeit von Herrn Biedermann, der in der Schlussszene des oben genannten Theaterstückes den Brandstiftern auch noch Streichhölzer gibt und das vor seiner Frau so rechtfertigt: „Wenn die wirkliche Brandstifter wären, du meinst, die hätten keine Streichhölzer?“
Ich denke, man sollte die Fähigkeit und den Mut haben, hinter allen Details, immer wieder – auch in so vielen Parteiprogrammen – die klar auftauchenden Ziele zu erkennen und sie klar bei ihrem Namen zu nennen.
Denn da taucht – in vielen Schattierungen und unter immer neuen Namen – unverkennbar etwas auf, das man unter Verwendung seines ehrlichen Namens - getrost „ die Einheitsschule“ nennen darf.
Und daher wundert mich der Einwand.
Wolfgang Klipp im Juli 2010
Dienstag, 20. Juli 2010
Mittwoch, 14. Juli 2010
Schulkampf – „wie bestellt“?
„Wir legen den Umbau zielgerichtet, klug und unumkehrbar an.“
So zitiert die RP vom 14. Juli 2010 - dem Tag der Wahl von Frau Kraft zur rot-grünen Ministerpräsidentin von NRW – die zukünftige Schulministerin Sylvia Löhrmann.
Und sie meint damit das Schul- und Bildungswesen in NRW. Das Ziel: die Einheitsschule.
Gegen die Adverbien „klug“ und „zielgerichtet“ wird man bei politischen Vorhaben zunächst nichts einzuwenden haben – im Gegenteil: Das wünschte man sich öfter. Aber: „unumkehrbar“?
Leben wir nicht in einem aufgeklärten Zeitalter, in dem man die stetige Veränderung als das Prinzip erkannt hat, mit dem allein das Ziel einer beständigen Verbesserung erreicht werden kann?
Da will also jemand zementieren, etwas gesellschaftlich unumkehrbar machen.
Das erinnert in unangenehmer Weise an Menschen, die sich sicher waren, die Wahrheit für sich erkannt zu haben und daher die Berechtigung ableiteten, alle anderen damit auf Dauer zu beglücken. Hat nicht auch Fidel Castro sein revolutioniertes Kuba so angelegt? Jedenfalls sind es die strammen Ideologen, die ihr Bild der Welt für das einzig Wahre halten.
„Wie bestellt.“ So kommentierte die RP vor wenigen Wochen - zur Zeit der Koalitionsverhandlungen - etliche der rot-grünen Vorhaben; bestellt vom Wähler … nicht zu überlesen: die Ironie in dieser Formulierung.
Die Einheitsschule, `wie bestellt´?
Nun, von einigen sicherlich, schließlich haben weder die SPD noch Die Grünen in ihrer Wahlprogrammen diese Zielsetzung an wesentlicher Stelle präsentiert.
Aber waren da nicht auch viele andere Wahlmotive?
Wir müssen der schwarz-gelben Politik im Bund eine Quittung für ihre Politik der letzten Monate geben...
Wir müssen ein Signal setzen gegen den Krieg in Afghanistan, gegen die Energiepolitik, die es möglich macht, dass das Öl das Meer verseucht, gegen die Finanzkrise im allgemeinen, gegen die Hilfen für Griechenland im Besonderen, gegen die ungerechten Mehrwertsteuervergünstigungen für Hotels, gegen … gegen... gegen...
Wir müssen dem Westerwelle eins auswischen wegen … wir müssen der Merkel eins auswischen wegen …
Aber es ist doch Landtagswahl und nicht Bundestagswahl!
Ach so, ja, dann müssen wir dem Rüttgers eins auswischen, erstens allgemein und zweitens .. war da nicht die Behauptung eines kleinen Skandals? … Und dann sind da ja auch noch diese Studiengebühren … Höchste Zeit, den anderen mal wieder eine Chance zu geben!
Dass wenige Monate zuvor noch große Zufriedenheit im Lande der schwarz-gelben Koalition eine gute Mehrheit zu bescheren schien, wen kümmerst?
Ach ja, und dann war da auch noch der verführerisch und harmlos und ach so sozial und gerecht klingende kleine Satz: „Länger gemeinsam lernen.“
Was für einen gefährlichen Irrtum der bezeichnet, das habe ich immer wieder herausgestellt (und schlüssig belegt und begründet), zuletzt im vorangegangenen Blog.
Gut, dass es nun deutlicher ist, was gemeint ist: die Einheitsschule - „unumkehrbar“. Und nun wird auch klarer, was in diesem Kontext „klug“ und „zielgerichtet“ bedeuten: Zügig, aber in taktisch bemessenen Schritten und mit einer Verantwortungsverlagerung in dezentrale Entscheidungsgremien wie etwa die Kommunen.
`Länger gemeinsam lernen´, das haben wohl etliche Wähler auch wirklich „bestellt“. Ob die wissen, dass zahlreiche Untersuchungen (auch etwa PISA!) belegen, wie erfolgreich die meisten Schulformen des gegliederten Schulwesens arbeiten? Ob die wissen, wie erfolgreich die Bundesländer abschneiden, die sich der Verbesserung des gegliederten Schulwesens verschrieben haben und nicht seiner Abschaffung, und wie schlecht die anderen abgeschnitten haben? Ob die wissen, dass allseits anerkannte Fachleute, die mit Gesamtsystemen liebäugelten, inzwischen recht klar einräumen, dass Schulstrukturänderungen keine belegbaren Erfolgssteigerungen aufzuweisen haben. Einer formulierte verschämt, es gebe zumindest keine Verschlechterungen...
Ob die wissen, dass bei näherem Hinsehen vieles, was man sich vom Wechsel zur Einheitsschule verspricht, eigentlich auf dem Feld der Familien- und Sozialpolitik angefasst werden müsste?
Ob die wissen, dass sich nach einer aktuellen Forsa-Umfrage bei den Bürgern in NRW 57% bereits gegen eine Verlängerung der Grundschulzeit um zwei Jahre ausgesprochen haben und 76 % gegen eine Schließung von Realschulen und Gymnasien zugunsten einer einheitlichen Schule?
DER SPIEGEL befasst sich in der Ausgabe vom 5.7.2010 in seiner Titelgeschichte mit der Bildungskleinstaaterei in Deutschland („Ein Abgrund von Föderalismus“) und beklagt vehement die Reformwut aller Bundesländer in Bezug auf Schule und Bildung: „Die Bürger sind eingesperrt in das Labyrinth der 16 deutschen Schulsysteme.“ „Bildungspolitisch gesehen ist jede Schulstrukturreform Geldverschwendung.“
Und doch setzt man in NRW nun an, ideologisch umzubauen.
Frau Kraft konnte ihren Sohn noch auf ein Gymnasium schicken, Frau Löhrmann hat keine Kinder.
Aber es wird demnächst viele Bürger geben, die sich die Augen reiben, wenn klar wird: Anmeldungen zu den Erfolgsmodellen Realschulen und Gymnasien wird es in NRW nicht mehr geben können. Und die Reformer behaupten, man finde aber solche Bildungsprinzipien im Inneren von Einheitsschulen wieder …
Und ich bin sicher, dann wird – wie zuletzt in Hamburg – ein Schulkampf beginnen.
Und ich bin sicher, dass dann viele der Wechsel- und Denkzettelwähler behaupten, das hätten sie nicht „bestellt“.
Viel Kraft wird das alles kosten. Auch viel Geld. Und Zeit.
Aber wenn es dazu führt dass man endlich erkennt, dass Schulen nur besser werden, wenn man die Inhalte sowie die Kompetenz der Lehrer verbessert – dazu die Betreuungsrelationen und die Formen des Förderns -, dann hat sich ja vielleicht am Ende doch der Einsatz gelohnt.
Ach ja, das noch: Ich lege Wert auf die Feststellung, dass ich mich vor der Wahl festgelegt habe:
Die oben beschriebene Schulpolitik werde ich nicht `bestellen´; und ich habe sie nicht bestellt.
Und zum Schulkampf? Nun, man hat Erfahrungen gesammelt beim erfolgreichen Engagement gegen radikale Einheitsschul-Reformen, die mal „Schulentwicklungsplanung“ hießen, mal „Koop-Schule“ , mal „flächendeckende (!) Gesamtschule“ …
Mal sehen, ob das `Unumkehrbare´ sich dieses Mal durchsetzen kann.
Wolfgang Klipp im Juli 2010
So zitiert die RP vom 14. Juli 2010 - dem Tag der Wahl von Frau Kraft zur rot-grünen Ministerpräsidentin von NRW – die zukünftige Schulministerin Sylvia Löhrmann.
Und sie meint damit das Schul- und Bildungswesen in NRW. Das Ziel: die Einheitsschule.
Gegen die Adverbien „klug“ und „zielgerichtet“ wird man bei politischen Vorhaben zunächst nichts einzuwenden haben – im Gegenteil: Das wünschte man sich öfter. Aber: „unumkehrbar“?
Leben wir nicht in einem aufgeklärten Zeitalter, in dem man die stetige Veränderung als das Prinzip erkannt hat, mit dem allein das Ziel einer beständigen Verbesserung erreicht werden kann?
Da will also jemand zementieren, etwas gesellschaftlich unumkehrbar machen.
Das erinnert in unangenehmer Weise an Menschen, die sich sicher waren, die Wahrheit für sich erkannt zu haben und daher die Berechtigung ableiteten, alle anderen damit auf Dauer zu beglücken. Hat nicht auch Fidel Castro sein revolutioniertes Kuba so angelegt? Jedenfalls sind es die strammen Ideologen, die ihr Bild der Welt für das einzig Wahre halten.
„Wie bestellt.“ So kommentierte die RP vor wenigen Wochen - zur Zeit der Koalitionsverhandlungen - etliche der rot-grünen Vorhaben; bestellt vom Wähler … nicht zu überlesen: die Ironie in dieser Formulierung.
Die Einheitsschule, `wie bestellt´?
Nun, von einigen sicherlich, schließlich haben weder die SPD noch Die Grünen in ihrer Wahlprogrammen diese Zielsetzung an wesentlicher Stelle präsentiert.
Aber waren da nicht auch viele andere Wahlmotive?
Wir müssen der schwarz-gelben Politik im Bund eine Quittung für ihre Politik der letzten Monate geben...
Wir müssen ein Signal setzen gegen den Krieg in Afghanistan, gegen die Energiepolitik, die es möglich macht, dass das Öl das Meer verseucht, gegen die Finanzkrise im allgemeinen, gegen die Hilfen für Griechenland im Besonderen, gegen die ungerechten Mehrwertsteuervergünstigungen für Hotels, gegen … gegen... gegen...
Wir müssen dem Westerwelle eins auswischen wegen … wir müssen der Merkel eins auswischen wegen …
Aber es ist doch Landtagswahl und nicht Bundestagswahl!
Ach so, ja, dann müssen wir dem Rüttgers eins auswischen, erstens allgemein und zweitens .. war da nicht die Behauptung eines kleinen Skandals? … Und dann sind da ja auch noch diese Studiengebühren … Höchste Zeit, den anderen mal wieder eine Chance zu geben!
Dass wenige Monate zuvor noch große Zufriedenheit im Lande der schwarz-gelben Koalition eine gute Mehrheit zu bescheren schien, wen kümmerst?
Ach ja, und dann war da auch noch der verführerisch und harmlos und ach so sozial und gerecht klingende kleine Satz: „Länger gemeinsam lernen.“
Was für einen gefährlichen Irrtum der bezeichnet, das habe ich immer wieder herausgestellt (und schlüssig belegt und begründet), zuletzt im vorangegangenen Blog.
Gut, dass es nun deutlicher ist, was gemeint ist: die Einheitsschule - „unumkehrbar“. Und nun wird auch klarer, was in diesem Kontext „klug“ und „zielgerichtet“ bedeuten: Zügig, aber in taktisch bemessenen Schritten und mit einer Verantwortungsverlagerung in dezentrale Entscheidungsgremien wie etwa die Kommunen.
`Länger gemeinsam lernen´, das haben wohl etliche Wähler auch wirklich „bestellt“. Ob die wissen, dass zahlreiche Untersuchungen (auch etwa PISA!) belegen, wie erfolgreich die meisten Schulformen des gegliederten Schulwesens arbeiten? Ob die wissen, wie erfolgreich die Bundesländer abschneiden, die sich der Verbesserung des gegliederten Schulwesens verschrieben haben und nicht seiner Abschaffung, und wie schlecht die anderen abgeschnitten haben? Ob die wissen, dass allseits anerkannte Fachleute, die mit Gesamtsystemen liebäugelten, inzwischen recht klar einräumen, dass Schulstrukturänderungen keine belegbaren Erfolgssteigerungen aufzuweisen haben. Einer formulierte verschämt, es gebe zumindest keine Verschlechterungen...
Ob die wissen, dass bei näherem Hinsehen vieles, was man sich vom Wechsel zur Einheitsschule verspricht, eigentlich auf dem Feld der Familien- und Sozialpolitik angefasst werden müsste?
Ob die wissen, dass sich nach einer aktuellen Forsa-Umfrage bei den Bürgern in NRW 57% bereits gegen eine Verlängerung der Grundschulzeit um zwei Jahre ausgesprochen haben und 76 % gegen eine Schließung von Realschulen und Gymnasien zugunsten einer einheitlichen Schule?
DER SPIEGEL befasst sich in der Ausgabe vom 5.7.2010 in seiner Titelgeschichte mit der Bildungskleinstaaterei in Deutschland („Ein Abgrund von Föderalismus“) und beklagt vehement die Reformwut aller Bundesländer in Bezug auf Schule und Bildung: „Die Bürger sind eingesperrt in das Labyrinth der 16 deutschen Schulsysteme.“ „Bildungspolitisch gesehen ist jede Schulstrukturreform Geldverschwendung.“
Und doch setzt man in NRW nun an, ideologisch umzubauen.
Frau Kraft konnte ihren Sohn noch auf ein Gymnasium schicken, Frau Löhrmann hat keine Kinder.
Aber es wird demnächst viele Bürger geben, die sich die Augen reiben, wenn klar wird: Anmeldungen zu den Erfolgsmodellen Realschulen und Gymnasien wird es in NRW nicht mehr geben können. Und die Reformer behaupten, man finde aber solche Bildungsprinzipien im Inneren von Einheitsschulen wieder …
Und ich bin sicher, dann wird – wie zuletzt in Hamburg – ein Schulkampf beginnen.
Und ich bin sicher, dass dann viele der Wechsel- und Denkzettelwähler behaupten, das hätten sie nicht „bestellt“.
Viel Kraft wird das alles kosten. Auch viel Geld. Und Zeit.
Aber wenn es dazu führt dass man endlich erkennt, dass Schulen nur besser werden, wenn man die Inhalte sowie die Kompetenz der Lehrer verbessert – dazu die Betreuungsrelationen und die Formen des Förderns -, dann hat sich ja vielleicht am Ende doch der Einsatz gelohnt.
Ach ja, das noch: Ich lege Wert auf die Feststellung, dass ich mich vor der Wahl festgelegt habe:
Die oben beschriebene Schulpolitik werde ich nicht `bestellen´; und ich habe sie nicht bestellt.
Und zum Schulkampf? Nun, man hat Erfahrungen gesammelt beim erfolgreichen Engagement gegen radikale Einheitsschul-Reformen, die mal „Schulentwicklungsplanung“ hießen, mal „Koop-Schule“ , mal „flächendeckende (!) Gesamtschule“ …
Mal sehen, ob das `Unumkehrbare´ sich dieses Mal durchsetzen kann.
Wolfgang Klipp im Juli 2010
Abonnieren
Posts (Atom)