Und dann war da in dieser Woche auch noch die jährlich unvermeidbare Studie der OECD: „Bildung auf einen Blick“. Und wieder – wie in jedem Jahr - nimmt die mittlerweile in dieser Sache gelangweilte Öffentlichkeit vielleicht gerade mal die Überschriften der Medien dazu wahr. So titelt z. B. die FAZ: „Deutschland soll die Studienquote steigern“ und Spiegel-online berichtet unter der Überschrift: „Bildungsrepublik Deutschland fehlen Studenten“.
Kennt man schon ... uninteressant ... jedes Jahr die selbe Leier ...
Schade. Aus mehreren Gründen.
Niemand fragt sich groß, wie denn diese Vergleichszahlen zustande kommen. Nur solche Fachkommentare wie der des Philologenverbandes weisen Jahr für Jahr darauf hin, dass die Grundbedingungen der Länder nicht unmittelbar vergleichbar sind und dass insbesondere die Populationen, die unter dem Begriff „Studenten“ erfasst werden, in den Ländern sehr unterschiedlich sind. So werden in der Bundesrepublik Jahr für Jahr unsere Absolventen der Bildungseinrichtungen wie die Fachakademien und Krankenpflegeschulen für Krankenschwestern nicht zu den Studenten gerechnet; in den USA etwa erhalten die aber als Bachelorstudenten keineswegs einen fachlich besseren Abschluss. Diese Verfälschung der Vergleichsstatistiken aber betrifft zahlreiche Berufsakademien in Deutschland. „Im Ausland dominiert das qualitativ nicht so anspruchsvolle Kurzstudium, in Deutschland Langstudiengänge und berufliche Ausbildungsrichtungen. Die Gleichsetzung von Quantitäten geht also völlig fehl. Das weiß auch die OECD, aber die Konsequenz, auf reine Prozentquotenvergleiche zu verzichten, würde diese Organisation ihrer pressewirksamen Katastrophenmeldungen berauben:, so der PHV.
Und SPIEGEL-online stellt fest: „Auch die Bildungsausgaben seien in Deutschland im internationalen Vergleich noch zu niedrig. Die gesamten öffentlichen und privaten Ausgaben für Bildungseinrichtungen lagen laut OECD in Deutschland im Jahr 2007 bei 4,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Unter den OECD-Ländern, für die entsprechende Zahlen vorlagen, gaben nur die Slowakei, Tschechien und Italien einen geringeren Anteil der Wirtschaftsleistung für Bildung aus. Bei den Spitzenreitern USA, Korea und Dänemark lag der Anteil bei mehr als sieben Prozent des BIP. Da aber die OECD private und öffentliche Bildungsausgaben zusammenrechnet, ist fraglich, inwieweit sich einzelne Länder überhaupt vergleichen lassen. Denn es stehen sich so ungleiche Systeme wie das finnische und das dänische Modell dem privatwirtschaftlichen Ansatz in den USA gegenüber.“
Was sind dann – bei so grob unscharfen Parametern – die Vorwürfe an die BRD und die Forderung von nötigen Steigerungen wirklich wert?
Schade – wie gesagt – dabei erhält die OECD doch viel Geld für ihre Untersuchungen, insbesondere von Deutschland. Da kann man doch saubere und differenzierte Arbeit erwarten!
Und so gehen viele gute Anregungen wohl einfach unter: Die Feststellung des Anreizes etwa, mit einem Studienabschluss ca. 70 % mehr verdienen zu können und einen deutlich erhöhten Schutz vor Arbeitslosigkeit zu erlangen.
Oder die Feststellung, dass in der Bundesrepublik immer noch zu wenige Jugendliche die MINT-Fächer studieren (Mathematik, Ingenieurwissenschaften, Technik und Informatik), stattdessen in ein Überangebot in den Geisteswissenschaften hineinsteuern.
Und auch die in diesem Jahr gesonderte Studie zu der beruflichen Ausbildung bleibt weitgehend unbeachtet, obwohl doch auch dieser Bereich, der in Deutschland eindeutig auf der Habenseite der Bildung zu platzieren ist, noch verbessert werden kann, wie die OECD zeigt.
Und wer beachtet dann schon noch die Ergebnisse der Studie bis hin zu der brisant wichtigen Feststellung, dass zu viele Schulabgänger nur über unzureichende allgemeine Basiskompetenzen verfügen und dass die OECD empfiehlt, dass alle bei Beginn der Berufsausbildung Schreib-, Lese- und Rechentests ablegen sollten und ggf. gezielt Unterricht zu ihren Defiziten erhalten sollten.
Und so passiert das, was wir ab der kommenden Woche – wenige Tage nach der Veröffentlichung der Studie - erleben werden: Ein paar Zeitungsberichte sind erschienen, ein paar Fachleute haben sich geäußert, ein paar Politikerstimmen sind verhallt. Die Studie wandert ins Regal.
Und – das ist das Schlimme – viele dringend nötige Verbesserungen unterbleiben weiterhin, weil die OECD das, was die Schlagzeilen liefert, fachlich so schlampig erarbeitet hat und gute, wichtige Details damit in ihrer Präsentation verschüttet.
- Schade. Verschenkt.
Schade nicht um die OECD, schade um die nötigen Verbesserungen der Bildungswege und Bildungschancen unserer Kinder und Jugendlichen.