Hauptschul-Leiter in NRW wiesen in der RP jüngst darauf hin, dass ihre Schulform „unschlagbar“ sei.
Dem kann man nur zustimmen: Gute Hauptschulen sind für ihre Klientel maßgeschneidert, denn sie können sich deren besonderen Voraussetzungen und Zielen in spezifischer Weise widmen. Mit der aus erfolgreichen Berufsqualifikationen gewonnenen Erfahrung können sie ihre Schüler weiterhin flexibel vorbereiten auf die Erfordernisse der sich verändernden Arbeitswelt. Sie können sich – insbesondere auch auf der Grundlage eines besonders engen Kontakts zu den Firmen der Region - konzentrieren auf individuelle Förderung, auf Praktika und alle weiteren Formen und Projekte der Berufsorientierung und -qualifikation. Die im Kontext der gesamten Arbeit dieser Schulen greifbare Perspektive auf das Erreichen eines Ausbildungsplatzes kann letztlich eine gute Basis schaffen aus Motivation, Selbstvertrauen und die, die wollen, zu größerer Anstrengung mobilisieren.
Dass es dennoch für deren Schüler schwierig bleibt, den Schritt in die Berufswelt erfolgreich zu absolvieren, spricht nicht gegen das Gesagte – im Gegenteil.
Man muss allerdings mit Bedauern sehen, dass die Schulform Hauptschule immer weniger von Schülern und Eltern gewählt wird.
Der Zusammenhang dieser Entwicklung mit dem Feld der sozialen Probleme ist wohl nicht von der Hand zu weisen. Und es mag auch eine große Rolle spielen, dass Medienberichte über Vorkommnisse oder andauernde Problematiken an Hauptschulen, die in sozialen Brennpunkten liegen, große – und vielleicht überproportionale - Aufmerksamkeit bekommen haben. Aber auch hier sind Hauptschulen - wenn man ihnen Mittel und geeignetes Personal zusätzlich zur Verfügung stellt sowie eine Zusammenarbeit mit den Partnern der Kinder-, Jugend- und Familienarbeit fördert – in besonders qualifizierter Weise in der Lage, mit den Problemen umzugehen.
Man sollte den Hut ziehen vor den vielfältigen Projekten, Kooperationen und zusätzlichen Aktivitäten, die die Hauptschulen heutzutage unternehmen, um ihren Schülern einen lebens- und berufsqualifizierenden Abschluss zu ermöglichen.
Man muss aber einfach sehen, dass die sozialen Probleme gesellschaftliche Probleme sind und nicht erst solche, die an oder durch Hauptschulen entstehen.
Nur Menschen, die zu der Sichtweise neigen, Dinge, die man unter den Teppich kehrt, seien de facto nicht mehr vorhanden, können m. E. angesichts der geschilderten Sachlage die rasche Lösung anpreisen, mit dem Abschaffen der Hauptschulen zunächst auch alle Probleme verschwinden zu lassen.
Leider gibt es nun aber noch eine weitere Ursache für die zurückgehende Zahl der Hauptschulen und Hauptschüler in NRW: Die demografische Entwicklung und dadurch insgesamt deutlich rückläufige Schülerzahlen, eben auch an Hauptschulen.
Und so ist es unausweichlich, dass an etlichen Standorten Hauptschulen ihre zum Bestand nötigen Schülerzahlen verlieren – mit zunehmender Tendenz.
Dies scheint nun auch die CDU in NRW dazu bewogen zu haben, dazu überzugehen, die von ihr favorisierte Differenzierung nach Schulformen insoweit aufzugeben, als man sich nun auch Formen der Zusammenlegung und Kooperationen stärker öffnen will.
Mag es nun daran liegen, dass der eine oder andere Parteiobere sich in der Bildungspolitik nicht zureichend differenziert genug geäußert hat, mag es daran liegen, dass andere Parteien die günstige Gelegenheit sahen, sofort zu behaupten, die CDU schwenke ein auf Gesamtsysteme, mag es sein, dass die CDU nicht schnell genug einen griffigen Namen gefunden hatte für das, was sie wollte, jedenfalls war das Ergebnis eindeutig eine Verwirrung der Leute im Lande.
Der inzwischen im Bildungsföderalismus geradezu ertrinkende Bürger hat ja ohnehin Schwierigkeiten, angesichts der ca. 50 (!) Schulformen und -modelle in den 16 Ländern der Bundesrepublik Deutschland Unterschiede im Grundsatz, geschweige denn im Detail, zu benennen.
Und so steht in NRW plötzlich die Frage im Raum: Sind denn jetzt alle für Gesamt-Schule?
Gemach, gemach.
Es ist aus meiner Sicht ein fundamentaler Unterschied,
- ob man aus oben genannten Gründen bereit ist, da, wo bestehende Schulformdifferenzierungen sich nicht mehr sinnvoll realisieren lassen, Kooperationen und organisatorische Zusammenlegungen zu planen
- oder ob man - nach dem Motto „Eine Schule für alle“ – so rasch wie möglich alle Schulformdifferenzierungen überwinden möchte, um als Ziel flächendeckend ausschließlich Gesamtsysteme zu errichten.
Mir ist dieser Unterschied sehr klar. Und für mich ist auch die ideologische Differenz deutlich zu benennen:
- Für die einen ist es der richtige Weg, Gleichheit der Chancen und Gerechtigkeit des je individuell Erreichbaren zu erlangen über gezielte Förderung aufgrund so weit wie nötig differenzierender Systeme.
- Für die anderen ist es der richtige Weg, Chancengleichheit und -gerechtigkeit dadurch zu gewährleisten, dass man alle so lange wie möglich gemeinsam lernen lässt.
Dass für mich die Ergebnisse der nationalen und internationalen Untersuchungen und Studien eindeutig für Ersteres sprechen, wird die Leser meines Blogs nicht überraschen.
Wichtiger als meine Positionierung aber ist, dass dem Bürger als Wähler hinreichend klar ist: Es sind eben doch nicht alle irgendwie für `Gesamt´, sondern dass ihm bewusst ist, sich für die eine oder andere Seite der Münze zu entscheiden.
Und das möglichst bald - und nicht erst zur nächsten Wahl.
Denn Schulpolitik realisiert sich fortwährend – jeden Tag - derzeit in NRW.